Lebensversicherungen gelten seit Jahrzehnten als bewährte Methode zur finanziellen Absicherung im Alter und bei unerwarteten Ereignissen. Doch gerade in den letzten Jahren haben viele Verbraucher erhebliche Zweifel an ihrer Rentabilität und Sicherheit geäußert. Die anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank hat die Renditen dieser Produkte erheblich gedrückt, während steigende Verwaltungskosten und komplexe Vertragsmodelle für Verwirrung sorgen. Großkonzerne wie Allianz, AXA, Generali, und Debeka dominieren den Markt und versprechen Sicherheit, doch Verbraucherzentralen und Expertengremien wie der BdV (Bund der Versicherten) warnen vor teils untransparenten Risiken und hohen Abschlägen. Hinzu kommen strukturelle Probleme, die durch Regulierungen wie Solvency II die Flexibilität der Versicherer schmälern und letztlich die Kundenattraktivität verringern. Wie also kann es sein, dass eine eigentlich als sicher deklarierte Altersvorsorge so oft als finanzielles Verlustgeschäft wahrgenommen wird? In diesem Artikel geben wir Einblicke, warum Lebensversicherungen aus Sicht verschiedener Akteure nicht nur unattraktiv, sondern in vielen Fällen tatsächlich ein Armutsrisiko darstellen können. Dabei beleuchten wir Aspekte von Kapitalanlagestrategien über Verbraucherschutzkritik bis hin zu Alternativstrategien für Versicherte.
Wie die Niedrigzinspolitik der EZB Lebensversicherungen systematisch schwächt
Die anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist einer der Hauptgründe, warum Lebensversicherungen unter Druck geraten sind. Seit Jahren liegen die Marktzinsen auf einem historisch niedrigen Niveau. Versicherer, darunter große Häuser wie die Allianz und die Württembergische, sehen sich dadurch gezwungen, ihre Renditen drastisch zu reduzieren.
Diese Zinssituation wirkt sich auf zwei entscheidende Weisen aus: Erstens fallen die Zinseinnahmen der Versicherer aus Kapitalanlagen. Da Lebensversicherungen einen Großteil der Beiträge langfristig anlegen müssen, sinkt der Ertrag deutlich. Zweitens erhöhen sich die regulatorischen Anforderungen, etwa durch die Zinszusatzreserve. Diese “Puffer” müssen gebildet werden, wenn die Überschussbeteiligungen höher sind als die tatsächlich erzielten Zinsen. Der Effekt ist eine Belastung der jährlichen Auszahlungen an Versicherte, da immer mehr Kapital als Rücklage gebunden wird.
Obwohl Lebensversicherungen laut Experten wie Reiner Will von Assekurata weiterhin als sichere Anlage gelten, stellen diese Effekte für den Verbraucher eine erhebliche Einschränkung dar. Die garantierten Zinsen liegen nach wie vor oft unter 1%, und selbst die Überschussbeteiligungen sinken kontinuierlich. Versicherer wie Hannover Re oder Munich Re investieren deshalb verstärkt in risikoärmere Anlagen mit niedriger Rendite, um die Garantieverpflichtungen erfüllen zu können, was die Gewinnmöglichkeiten für den Kunden weiter beschränkt.
- Sinkende Marktzinsen reduzieren die Kapitalerträge der Lebensversicherer.
- Zinszusatzreserve bindet mehr Kapital und schmälert Überschussbeteiligungen.
- Strenge Regulierungen wie Solvency II erhöhen die Kapitalanforderungen.
- Vorsichtige Anlagestrategien begrenzen Renditechancen trotz Sicherheitsversprechen.
Faktor | Auswirkung auf Lebensversicherung |
---|---|
Niedrige Zinsen | Geringere Erträge aus Kapitalanlagen |
Zinszusatzreserve | Kapital wird für Rücklagen gebunden |
Solvency II | Höhere Eigenkapitalanforderungen für Versicherer |
Niedrige Aktienquote | Reduzierte Chancen auf Kursgewinne |

Warum Lebensversicherungen trotz sinkender Renditen weiterhin gekauft werden
Obwohl die Kritik an Lebensversicherungen wächst, bleibt der Absatz bei großen Anbietern wie der Signal Iduna, Debeka oder auch der R+V Versicherung stabil. Dies liegt an mehreren Faktoren, die das Produkt weiterhin attraktiv erscheinen lassen – zumindest auf den ersten Blick.
Zum einen spielt Sicherheit eine zentrale Rolle. Viele Kunden schätzen die garantierte Verzinsung, auch wenn diese gering ist. Der Vorstand von Signal Iduna, Ulrich Leitermann, verweist darauf, dass Kunden zu 99 % die Sicherheit eines Garantiezinses wählen, statt auf risikoärmere, aber schwankungsanfällige Produkte zu setzen. Die Aktienquote liegt deshalb niedrig, meist zwischen 2 und 4 %, Immobilien und langfristige Hypotheken stellen den Großteil des Portfolios dar.
Zum anderen ist die Lebensversicherung für viele Haushalte ein vertrautes und Verständliches Produkt. Die Tatsache, dass im Jahr 2024 das Beitragsaufkommen sogar auf 93,7 Milliarden Euro gestiegen ist, zeigt, wie viele Menschen trotz alternativer Angebote an dieser traditionellen Form der Vorsorge festhalten. Experten wie Robert Minde von der ARD sehen ein prozyklisches Anlageverhalten, das sich im Wunsch nach Stabilität und Berechenbarkeit ausdrückt. Insbesondere in unsicheren Zeiten, geprägt von geopolitischen Konflikten und wirtschaftlichen Schwankungen, bevorzugen Anleger Produkte mit klaren Garantien.
- Garantiezins gibt Kunden Sicherheit trotz geringer Höhe.
- Bekanntheit und Vertrautheit der Produktformen bei Versicherern wie Allianz oder AXA.
- Langfristiger Anlagehorizont schützt vor kurzfristigen Marktschwankungen.
- Niedrige Aktienquoten minimieren Volatilität im Portfolio.
Versicherer | Typische Verzinsung 2024 | Aktienanteil im Portfolio | Immobilienanteil |
---|---|---|---|
Signal Iduna | 3,8 % (2012) | 3 % | 7,5 % |
Allianz | 3,6 % | 2,9 % | – |
Cosmos Direkt | 3,65 % | – | – |
AachenMünchener | 3,5 % | – | – |

Die Rolle von Verbraucherschützern und Warum deren Kritik manchmal fehlgeleitet ist
Verbraucherschützer, insbesondere der BdV (Bund der Versicherten) und die Verbraucherzentrale Hamburg, äußern seit Langem Kritik an Lebensversicherungen. Hauptkritikpunkte sind niedrige Renditen, mangelnde Transparenz und hohe Abschlusskosten. Die Verbraucherzentrale bezeichnet die Produkte oft als zu teuer und zu langfristig, begleitet von der Warnung vor finanziellen Nachteilen bei vorzeitiger Kündigung.
Allerdings stoßen diese Argumente bei Analysten wie Manfred Poweleit vom Map-Report auf deutliche Gegenwehr. Er betont, dass die Kritik der Verbraucherschützer zum Teil „inkompetentes Geschwätz“ sei, da sie den komplexen Zusammenhang von Rendite und Kapitalanlage nicht ausreichend verstehe. So sei es zwar richtig, dass die garantierte Verzinsung wenig erscheint – beispielsweise um die 3 % –, doch müsse man die langfristige Perspektive betrachten. 3,5 % Rendite auf angespartes Kapital sind wertvoll, wenn sie über viele Jahre erwirtschaftet werden.
Weiterhin kritisieren Experten, dass einige Verbraucherschützer sogar zur Kündigung der Lebensversicherung raten, was in der Mehrzahl der Fälle zu erheblichen finanziellen Verlusten führt. Gerade Altverträge mit einer Verzinsung über 3,5 % sollten keinesfalls vor Ablauf gekündigt werden, da sie langfristig immer noch die beste Renditemöglichkeit im Vergleich zu Festgeldern oder Tagesgeld darstellen.
- Hauptkritik: Niedrige Renditen, hohe Kosten, mangelnde Transparenz.
- Expertenmeinung: Langfristige Sicherheit übertrifft kurzfristige Renditeargumente.
- Kündigungswarnung: Vorzeitige Kündigung führt oft zu Verlusten.
- Altverträge bewahren hohe Zinssätze und sollten erhalten bleiben.
Kriterium | Sicht Verbraucherschützer | Sicht Analysten |
---|---|---|
Rendite | Zu niedrig | Längerfristig angemessen |
Kosten | Zu hoch | Marktüblich mit Erläuterungen |
Kündigung | Empfohlen | Abgeraten |
Transparenz | Unzureichend | Verbessert, aber komplex |
Alternativen zur Kündigung: Wie Versicherte ihre Lebensversicherung sinnvoll anpassen können
Für viele Versicherte stellt sich die Frage, wie sie mit bestehenden Lebensversicherungen umgehen sollen, wenn sie das Geld für wichtige Investitionen benötigen – sei es für Immobilien, Unternehmensgründungen oder Umschuldungen. Die gängige Empfehlung lautet, nicht vorschnell zu kündigen, sondern Alternativen zu prüfen, um finanzielle Nachteile zu vermeiden.
Folgende Optionen stehen zur Verfügung:
- Vertrag ruhen lassen: Beitragszahlungen aussetzen, Police aber weiterlaufen lassen.
- Versicherungssumme kürzen: Reduktion der Leistung gegen geringere Beiträge.
- Sparleistung aussetzen: Temporärer Stopp der Sparrate bei Erhalt des Versicherungsschutzes.
- Zusatzversicherungen stornieren: Kostenreduktion durch Verzicht auf optionale Bausteine.
- Policendarlehen aufnehmen: Kreditaufnahme auf Basis des Rückkaufswerts.
- Verkauf auf dem Zweitmarkt: Lebensversicherungspolicen werden hier oft mit Aufschläge über Rückkaufswert gehandelt, teilweise inklusive Rückerwerbsoption.
Der Zweitmarkt für Lebensversicherungspolicen gewinnt zunehmend an Bedeutung, da hier Policen weiter im Wirtschaftskreislauf verbleiben, anstatt den Versicherungsvertrag vorzeitig und meist mit Verlusten zu kündigen. Versicherer wie AXA, Generali oder die Debeka unterstützen zunehmend solche moderneren Konzepte und Kooperationen.
Alternative | Vorteil | Nachteile |
---|---|---|
Vertrag ruhen lassen | Kein Verlust des Versicherungsschutzes | Keine weitere Kapitalbildung während Ruhephase |
Versicherungssumme kürzen | Geringere Beiträge | Weniger Leistungen am Ende der Laufzeit |
Policendarlehen | Schneller Liquiditätszugang | Zinskosten, Verschuldungsrisiko |
Verkauf auf Zweitmarkt | Meist bessere Auszahlung als Kündigung | Komplexe Vertragsmodalitäten |

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Lebensversicherungen und finanziellen Risiken
- Warum sind Lebensversicherungen in Zeiten von Niedrigzinsen problematisch?
Weil die Kapitalanlagen kaum noch Zinsen abwerfen, sinken die erzielbaren Überschussbeteiligungen und garantierten Renditen, was die gesamte Performance schmälert. - Sollte ich meine Lebensversicherung jetzt kündigen?
Experten raten meist davon ab, insbesondere bei Altverträgen mit guten Zinssätzen. Besser sind Anpassungen oder ein Verkauf auf dem Zweitmarkt. - Wie beeinflussen Regulierungen wie Solvency II die Lebensversicherungen?
Sie erhöhen die Eigenkapitalanforderungen der Versicherer, was zu einer vorsichtigeren Anlagepolitik und geringeren Renditen führt. - Kann der Verkauf einer Lebensversicherung auf dem Zweitmarkt eine gute Option sein?
Ja, oft sind die Auszahlungen dort besser als die Rückkaufswerte bei Kündigung, und es bleibt ein Restversicherungsschutz erhalten. - Warum kritisieren Verbraucherschützer Lebensversicherungen?
Hauptsächlich wegen der geringen Rendite, hohen Abschlusskosten und der Undurchsichtigkeit der Vertragskosten.